Wenn das Motorrad selber bremst

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Wenn das Motorrad selber bremst

Beitragvon Tourenfahrer » 19.06.2018, 02:02

Ja die Technik entwickelt sich immer weiter


https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-06/ ... me/seite-2

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Bosch adaptiert Fahrerassistenten vom Auto aufs Motorrad. Die Systeme könnten jeden siebten Unfall vermeiden. Aber wollen sich Biker elektronisch kutschieren lassen?


Was im Auto längst Standard ist, bringt Bosch jetzt aufs Motorrad: Der Automobilzulieferer hat ein neues Sicherheitspaket für die Zweiräder entwickelt. Es besteht aus einer adaptiven Abstands- und Geschwindigkeitsregelung, einer Kollisionswarnung und einem Totwinkelassistenten. Wie sie funktionieren, konnten wir auf dem Forschungscampus von Bosch in Renningen bei Stuttgart testen, auf der hauseigenen Teststrecke. Dann ging es auf die Autobahn.

Zum ersten Mal überließ Bosch einer Handvoll Journalisten seine Testmaschine, eine weiße Ducati. Dass sie kein gewöhnliches Motorrad ist, sieht man ihr gleich an. Zu den beiden Rückspiegeln führen dicke Kabel.
Unterhalb des Lichts und am Heck ist jeweils ein Kästchen in der Größe eines Smartphones montiert, darin stecken Sensoren.
Sie sind das elektronische Auge der Maschine und haben rundum alles im Blick. Auf dem Gepäckträger sitzt ein Koffer, in den ebenfalls Schläuche münden. Darin Computer, die die Daten der Sicherheitssysteme aufzeichnen. Später werden sie ausgewertet.

Fahren tut sich die Testmaschine wie jedes andere Motorrad auch. Allerdings wird der Fahrer in kritischen Situationen mit Signalen gewarnt. Der Totwinkelwarner etwa lässt eine rote Lampe in beiden Rückspiegeln erleuchten, wenn man die Spur wechseln will und sich ein anderes Fahrzeug in schlecht einsehbarem Raum befindet.

Ähnlich funktioniert die Kollisionswarnung: Das System erkennt eine gefährliche Annäherung an ein vorausfahrendes Fahrzeug. Wird der Abstand kritisch, warnt ebenfalls ein rotes Lämpchen im Display den Motorradfahrer oder die -fahrerin. Anstelle der optischen Signale sind in beiden Fällen auch akustische möglich, eventuell sogar in Kombination, damit sie beim Fahrer tatsächlich ankommen.

Das Motorrad hält Tempo und Abstand selbst

Die Kollisionswarnung und der Totwinkelassistent sind passive Assistenten, die ihre Informationen von den Radarsensoren beziehen. Radar misst Geschwindigkeit und Entfernung, sieht auch im Regen und Nebel, durchleuchtet Sträucher und hohes Gras. Die Sensoren stoßen Radiowellen aus – treffen sie auf ein Hindernis, werden sie reflektiert. Je schneller der Sensor sie empfängt, umso näher ist das gemessene Objekt.

Im Test sind beide Systeme wenig spektakulär, schließlich passiert nur in kritischen Situationen wirklich etwas. Ganz anders bei der adaptiven Abstands- und Geschwindigkeitsregelung, kurz ACC.
Sie ist die logische Weiterentwicklung des Tempomats. Man fährt los, schaltet am linken Lenkergriff das System ein und legt das Zieltempo über einen anderen Schalter fest. Dann hält das Motorrad die Geschwindigkeit. Fährt das vorausfahrende Fahrzeug langsamer, bremst die Maschine automatisch, um den Abstand konstant zu halten. Und sie beschleunigt von selbst auf den eingestellten Wert. So passt sich die Ducati elektronisch gesteuert dem Verkehrsfluss an.

Auf der Teststrecke fühlt sich das unwirklich an, weil das vorausfahrende Fahrzeug zum Test gehört. Die Fahrt ist inszeniert, aber sie hilft, um die elektronischen Helfer kennenzulernen und ihnen zu vertrauen, bevor es auf die Autobahn geht.
Die ersten Kilometer dort sind herausfordernd: Man muss seine Routinen ausblenden, darf weder selbst bremsen noch beschleunigen, denn sonst schaltet das System ab.
Es fällt schwer, ganz bewusst auf einen vorausfahrenden Lkw aufzufahren, denn man weiß: Wenn man drauffährt, fällt man vom Motorrad.

Auf der Maschine fühlt sich die Abstands- und Geschwindigkeitsregelung ganz anders an als im Auto, wo man von viel Blech und Airbags schützend umhüllt ist. Auf den 30, 40 Testkilometern auf der Autobahn ist die Vorsicht ein ständiger Begleiter und die Hand stets griffbereit an der Bremse – obwohl das System tadellos funktioniert. Das ungute Gefühl, seine Sicherheit Sensoren anzuvertrauen, verschwindet vielleicht erst später. Man muss sich wohl erst daran gewöhnen, dass auch Motorräder automatisiert fahren werden.

Das tun sie in erster Linie der Sicherheit wegen. Denn Motorradfahrer leben gefährlich, ihr Risiko tödlich zu verunglücken, ist viel höher als das eines Autofahrers. 3.186 Menschen haben nach Informationen des Statistischen Bundesamts 2017 ihr Leben auf der Straße gelassen – weniger Insassen von Autos als im Vorjahr, aber deutlich mehr Motorradfahrer. "Technische Unterstützung beim Fahren ist gut und hilft Unfälle zu vermeiden.

Das sehen wir schon länger bei den Autos", sagt Matthias Haasper, Forschungsleiter im Institut für Zweiradsicherheit IFZ in Essen. "Assistenzsysteme senken aber auch die Unfallzahlen von Motorradfahrern und das zukünftig immer mehr."
Fahrerassistenzsysteme machen Motorradfahren sicherer. Aber wollen sich Biker elektronisch kutschieren lassen? Aktuell befragt das IFZ Motorradfahrerinnen und -fahrer zu Sicherheitsbewusstsein und Fahrerassistenzsystemen. "Es zeichnet sich ab, dass Motorradfahrer neue elektronische Helfer zunächst eher ablehnen als ihnen zustimmen", sagt Haasper. Doch auch er geht davon aus, dass es allein eine Frage der Gewöhnung ist. "Als das ABS kam, haben viele dagegen gewettert, weil sie meinten, es selbst besser zu können." Können sie nicht! Heute ist das Antiblockiersystem für Motorräder weit verbreitet und für alle neu zugelassenen Maschinen seit 2016 Pflicht.

Schon 2020 sollen die neuen Sicherheitssysteme von Bosch in Serie auf die Straße kommen: Ducati und KTM wollen die Technik in ihre Motorräder einbauen. Als Nächstes könnte der Notbremsassistent folgen, vermutet Haasper.

Schon krass was eventuell möglich ist


Viel weiter entfernt von der Realität ist ein Bosch-Forschungsprojekt, das beim Motorradfahren ein Rutschen verhindern soll. Denn ob nasses Laub oder Schotter auf der Straße: Wenn das Vorderrad rutscht, ist man chancenlos, die Maschine aufzurichten. Ein Sturz ist dann unvermeidbar – es sei denn, eine Seitenkraft hilft. Bosch setzt dafür auf ein Gas, das aus einer Düse auf jener Seite strömt, in die das Motorrad ausbricht. Die Rückstoßkraft soll dann das Zweirad aufrichten. Erkannt wird die kritische Situation von einem Sensor: Er zündet den Gasdruckspeicher, ähnlich einem Airbag im Auto. Das Verfahren funktioniert, wie ein Stuntfahrer auf der Teststrecke bewiesen hat.
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Re: Wenn das Motorrad selber bremst

Beitragvon Relaxer » 19.06.2018, 06:40

Moin,

passive Systeme die einen warnen, warum nicht.
Aber aktiver Eingriff, nein danke!!

Da kann man ja gleich mit dem Bus fahren
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Re: Wenn das Motorrad selber bremst

Beitragvon tb » 19.06.2018, 07:27

Schon krass was eventuell möglich ist

Wieso eventuell? Ist im Auto schon längst eingebaut. Das fährt dann zwar wie ein 80jähriger Opa aber neu ist das alles nicht.
Aber aktiver Eingriff, nein danke!!

Dann also auch ohne ABS? Den aktiven Eingriff kann man immer vermeiden (wer hat überhaupt schon mal ABS-Eingriff erlebt oder sogar provoziert?). Das Zeug wird kommen, weil es geht und weil es genug Kunden gibt, die dafür zahlen, nicht weil es die Unfallzahlen senkt.
Tom
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Re: Wenn das Motorrad selber bremst

Beitragvon Piccolo71320 » 19.06.2018, 07:45

tb hat geschrieben:
Aber aktiver Eingriff, nein danke!!

Dann also auch ohne ABS? Den aktiven Eingriff kann man immer vermeiden (wer hat überhaupt schon mal ABS-Eingriff erlebt oder sogar provoziert?). Das Zeug wird kommen, weil es geht und weil es genug Kunden gibt, die dafür zahlen, nicht weil es die Unfallzahlen senkt.
Tom

Ich denke mit aktien Eingriff meint er wohl den oben erwähnten Notbremsassistenten > wenn du nicht damit rechnest da er ne Vollbremsung macht liegst du auf der Schnauze.

Ein sicherer Notbremsassistenten beim Moped ist nicht so einfach umzusetzen wie beim Auto > im Auto kannst du nicht umfallen und hängst halt eben im Sicherheitsgurt.



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