Kupplung, es hat uns erwischt (Lamellen müssen neu)

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Kupplung, es hat uns erwischt (Lamellen müssen neu)

Beitragvon Tommi1200 » 22.02.2026, 10:19

Hy Leute,

meinen Sohn hat es nach 75k Kilometern erwischt. Erst kam die Kupplung nur noch auf den letzten Millimetern, dann rutschte sie bei höherer Drehzahl und jetzt kann ich die Gänge ohne Kuppeln schalten und habe keinen Vortrieb mehr. Da sich das Hinterrad im aufgebocktem Zustand beim einlegen eines Ganges dreht, denke ich, die Lamellen der Kupplung sind runter.

Jetzt brauche ich mal Eure Hilfe:

1. Hat schon mal einer nur die Kupplungslamellen und Reibscheiben gewechselt? Beim Freundlichen und Leebmann bekommt man ja nur das komplette Kit für viele Goldbarren.

2. Zum Ausbau des Kits reicht ein guter Schlagschrauber, zum Einbau benötige ich aber den Kupplungskorbhalter und den PIN um den Motor zu blockieren. Sonst bekomme ich die 190NM nicht auf die Mutter. Die beiden Werkzeuge sind ja unbezahlbar. Hat das schon mal jemand mit nem universal Kupplungshalter geschafft? Kann mir eventuell jemand die beiden Werkzeuge leihweise gegen Gebühr zur Verfügung stellen?

3. Müssen die Schrauben vom Kupplungsdeckel immer erneuert werden? Sind das Dehnschrauben wie an Zylinderköpfen?

ich hoffe auf Eure Hoffe damit die Saison für den Sohnemann los gehen kann.
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Re: Kupplung, es hat uns erwischt (Lamellen müssen neu)

Beitragvon Schrauber » 22.02.2026, 19:00

Tommi1200 hat geschrieben:1. Hat schon mal einer nur die Kupplungslamellen und Reibscheiben gewechselt? Beim Freundlichen und Leebmann bekommt man ja nur das komplette Kit für viele Goldbarren.

Ich habe die äußere Belagscheibe gewechselt. Nur diese war total abgenutzt. Habe sie aus einem TRW Satz (Belag und Reibscheiben).
Tommi1200 hat geschrieben:2. Zum Ausbau des Kits reicht ein guter Schlagschrauber, zum Einbau benötige ich aber den Kupplungskorbhalter und den PIN um den Motor zu blockieren. Sonst bekomme ich die 190NM nicht auf die Mutter. Die beiden Werkzeuge sind ja unbezahlbar. Hat das schon mal jemand mit nem universal Kupplungshalter geschafft? Kann mir eventuell jemand die beiden Werkzeuge leihweise gegen Gebühr zur Verfügung stellen?

Ich habe Ein- und Ausbau mit dem Schlagschrauber gemacht. Damit ich mit dem richtigen Drehmoment anziehe, habe ich vorher Versuche mit einer Schraube gemacht, die im Schraubstock eingespannt war. Die Mutter mit dem Schlagschrauber angezogen und mit dem Drehmomentschlüssel kontrolliert, ob das Drehmoment passt. Solange den Luftdruck für den Schlagschrauber geändert, bis es gepasst hat.
Tommi1200 hat geschrieben:3. Müssen die Schrauben vom Kupplungsdeckel immer erneuert werden? Sind das Dehnschrauben wie an Zylinderköpfen?

Ja, unbedingt wechseln, sind Alu Dehnschrauben. Werden zuerst auf Drehmoment angezogen und dann noch um eine bestimmten Winkel weiter gedreht. Die Dichtung natürlich auch wechseln. Das Motoröl kann drin bleiben. Am besten auf den Seitenständer stellen.
Gruß Dieter
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Re: Kupplung, es hat uns erwischt (Lamellen müssen neu)

Beitragvon Tommi1200 » 28.02.2026, 19:44

So, mal ein kleiner Erfahrungsbericht zum Kupplungsbelagwechsel.

Zuerst die Verkleidung und den Spoiler auf der rechten Seite abgebaut, Moped auf dem Seitenständer.

Dann die vier Schrauben vom Nehmerzylinder raus, den Zylinder mit drehen und ziehen aus den Deckel entfernt und mit einem Kabelbinder an einer Verkleidungshalterung aufgehangen (dann baumelt der nicht dauernd in der Gegend rum).

Anschließend die zwei Schrauben des Hitzeschutz raus und diese direkt entsorgt. Danach 18 Schrauben (17 Lange und eine Kurze) aus den Kupplungsdeckel raus und die auch direkt entsorgt.
Deckel lies sich ohne Gewalt abnehmen und dahinter strahlte uns die Kupplung an.

Nachdem das Rillenlager und der Druckpilz entnommen waren, kurz mit dem Schlagschrauber die Zentralmutter gelöst. Kupplungspaket rausgenommen und die Sechs Inbusschrauben ausgeschraubt.

Lamellen waren nach 75k Kilomatern stark verschlissen, erst und letzte Lamelle war komplett runter und die Reibscheiben waren schon angelaufen.

Jetzt wird es interessant:

Das TRW Kit MCC611PK passt eigentlich.... Ein Steg der Lamellen muss von 14mm breite auf 13mm breite runter gefeilt werden. Vorsicht, die Lamellen passen nur in einer bestimmten Stellung, diese habe ich mir markiert und die Lamellen mit einer Feile auf Maß gebracht.
Der Korb sah für die Laufleistung noch gut aus, ein paar Pittings hab ich geglättet aber nichts wildes.
Lamellenpaket zusammengesetzt und mit losen Inbusschrauben für ein paar Stunden in frischem Öl eingelegt. Danach das Paket in den Korb eingesetzt und die Inbusschrauben mit 8,5 NM angezogen (laut BMW 8NM +1).
Zentralschraube mit selbstgemachtem Korbhalter (4mm Stahl hat mir ein Werkzeugmacher-Azubi nach Zeichnung gemacht) auf 190NM angezogen. Rillenkugellager und Druckpilz wieder rein.
Kupplungsdeckel mit neuer Dichtung und neuen Schrauben wieder drauf (Schrauben mit 3NM und anschließend noch 90 Grad weiter) und im Anschluss den Kupplungsnehmerzylinder mit neuen Schrauben und gleichem Drehmoment montiert.
Da sehr viel Abrieb um den Kupplungskorb zu sehn war, was natürlich penibel entfernt wurde, habe ich noch einen Ölwechsel mit Filter vorgenommen. Dazu direkt noch die Kupplungsflüssigkeit gewechselt.
Danach Verkleidung wieder montiert und gefreut.

Damit hab ich für die kommende Saison schon alle Wartungsarbeiten durch.

Kosten für alles knapp 200€, teuerster Posten waren die Schrauben, die Dichtung und die Kupplungsflüssigkeit weil original BMW.

Reine Arbeitszeit mit Ölwechsel und Flüssigkeitswechsel knapp drei Stunden.

Wer das noch vor sich hat, dass ist kein Hexenwerk. Überlegt und mit Ruhe rangehen, man sollte aber schon etwas Schraubererfahrung haben.
Tommi1200
 
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